Persönlichkeitsbildung

Der Sonderpreis der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ für das innovative Unterrichtskonzept „Persönlichkeitsbildung“ im Rahmen der Preisverleihung des Deutschen Lehrerpreises (2016) geht an die Schule im Emsbachtal, Niederbrechen! 

Soft Skills und People Skills wie Ausdrucks- und Darstellungsvermögen, Kommunikationskompetenz, Empathie- und Teamfähigkeit sind beim Berufseinstieg zunehmend gefragt.

Bildungsexperten fordern, jene Schlüsselqualifikationen schon in der Schule gezielt zu vermitteln. Auch die Arbeitsgruppe 1 des hessischen Bildungsgipfels stellte 2015 unlängst ähnliche Forderungen an das eigene Schulsystem: Demzufolge müsse es eine stete Weiterentwicklung der Unterrichtsinhalte, der Unterrichtsmethoden und der Unterrichtsorganisation geben, was beispielsweise die Vermittlung von Werten zur Persönlichkeitsentwicklung und den Erwerb überfachlicher Schlüsselkompetenzen wie Medienkompetenz, Sozialkompetenz und Kommunikationskompetenz beinhaltet. Auch wir – die Lehrerinnen und Lehrer der Schule im Emsbachtal – stellten uns die Frage, welche Bildung unsere Schützlinge für ihr Leben brauchen? Welche Kompetenzen werden in unserer medialen, informellen und vielfältigen Gesellschaft immer wichtiger? Welche neuen Herausforderungen werden die jungen Menschen in ihrem Zusammenleben meistern müssen und welche in ihrem Berufsleben? Wie können sie auf ihren weiteren Lebensweg bestmöglich vorbereiten?

Im Rahmen dieser Überlegungen sind wir zu dem Entschluss gekommen, unser schulinternes Curriculum zu überarbeiten und dem gegenwärtigen soziokulturellen und wirtschaftlichen Wandel anzupassen. Zur professionellen Unterstützung konnten wir als Mentorin Frau Dr. Claudia Enkelmann vom Institut für Rhetorik- und Persönlichkeitsbildung Dr. Enkelmann in Königstein im Taunus von unserer Idee überzeugen und für uns gewinnen. Als Herr Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz von unserm Konzept erfuhr, lud er uns nach Wiesbaden in den Landtag ein, um ihm unsere Idee vorzustellen. Herr Prof. Dr. Lorz erkannte das große Potenzial unseres Projektes und bestärkte uns darin, weiter an einem Curriculum zu arbeiten.

Seit 2016 entwickeln wir – ein Team von Kolleginnen und Kollegen an der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen bei Limburg – ein die Berufsorientierung ergänzendes fächerübergreifendes Konzept, das unsere Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen soll, sich in der heutigen Kommunikations- und Informationsgesellschaft noch besser zurechtzufinden.

Unser Bestreben ist es, unseren Schützlingen einen erfolgreichen Anschluss in das Leben nach der Schule zu ermöglichen. Neben einer umfassenden und praxisnahen Berufsorientierung nimmt das vorliegende Konzept an unserer Schule eine bedeutende Rolle ein. Unser Konzept wird getragen von vier Säulen: Den Kompetenzbereichen „Präsentieren“, „Debattieren“, „Darstellen“ und „Reflektieren“. Im Sinne einer vernetzten Kompetenzentwicklung werden jene Kompetenzbereiche von Jahrgangsstufe 8 bis 10 als Module mehrfach aufgegriffen. Die Lern- und Reflexionszeiten sind fest im wöchentlichen Stundenplan verankert. Es handelt sich um ein fließendes Konzept, dessen Inhalte bei uns vornehmlich im Bereich Arbeitslehre angeboten werden und darüber hinaus auch in weiteren Fächern unter bestimmten Aspekten oder Schwerpunkten aufgehen. Von großer Bedeutung für die Konzeption ist beispielsweise die Kooperation mit dem Krankenhaussender des Sankt Vincenz-Krankenhauses in Limburg. Unsere Schülerinnen und Schüler besuchen die Sendeanstalt und machen erste Erfahrungen im Bereich der TV-Moderation und – Produktion. Die Beiträge erarbeiten die Kinder selbstständig im Unterricht und in den Lernzeiten. In der Livesendung „Live ab 10“, die täglich in den Krankenzimmern des Limburger Krankenhauses für die Patienten ausgestrahlt wird, sollen langfristig feste Sendebeiträge von klassenübergreifenden Schülerteams moderiert werden.

Ueberblick-ueber-die-Kompetenzbereiche-im-Rahmen-der-Persoenlichkeitsbildung