Ganztagsschulkongress 2018, voller Erfolg, Pressemitteilung bitte lesen!

 Prof. Burow: Lehrer/innen sollen keine Fehlerfahnder sondern Sucher von Begabung und Entfalterinnen von Potentialen sein!

Die Ganztagsschule bietet Raum für Talententdeckung & Talentförderung!

Brechen-Niederbrechen. Was ist der wichtigste Faktor für die Entwicklung von Fähigkeiten, Talenten und Potenzialen in der Schule? Wo kann Ganztagsschule Räume für Engagement und Leidenschaft bieten? Wie können wir Schule anders denken und anders leben, um Schülerinnen und Schülern eine Entwicklung zu ermöglichen die es ihnen ermöglicht ihre Persönlichkeit zu entfalten?

Diese drei Fragen warf Prof. Dr. Olaf Axel Burow im Rahmen seines Hauptvortrags im Rahmen der Jahrestagung des Hessischen Ganztagschulverbandes auf und fand für seine Ausführungen vielfältige Zustimmung und zahlreiche Beifallsbekundung der rund 220 Zuhörer.

Professor Burow wies darauf hin, dass viele junge Lehrkräfte heute keine Zeitung mehr lesen und sich stattdessen über digitale Medien informierten. Er zeigte persönliche Schriftstücke von sogenannten „Schulversagern“, die sich für ihre schlechten Lernergebnisse sogar bei ihren Eltern entschuldigten oder sogar „mit Rechtschreibfehlern gespickte Bewerbungsschreiben“ abgegeben hatten, wie z.B. Steve Jobs, drei Jahre bevor er mit Apple eine der bedeutendsten amerikanischen Firmen gegründet hatte.

Olaf Axel Burow stellte klar heraus, dass es viele Menschen trotz oder wegen schlechter Leistungen in der Schule zu etwas gebracht hatten, weil sich im Verlaufe ihrer Entwicklung Menschen/Lehrer ihrer Persönlichkeitsentwicklung angenommen hatten und sie nicht im Gefühlschaos des schlechten Klassenarbeiten zurückgelassen hatten. Die Ganztagschule, so Prof. Burow, biete, im Gegensatz zu vielen Halbtagsschulen egal welcher Niveaustufe, genau dafür Raum und Möglichkeiten, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern ganz besonders für die Lehrerinnen und Lehrer, da Ganztagsschule nicht nur Lern- sondern Lebensraum sei. Hier gelinge es Beziehungsarbeit zu leisten und der Entwicklung einer besonderen Schulkultur Zeit und Raum zu bieten. Lehrkräfte sollten/müssten diese Potentiale auch und gerade im medialen und digitalen Zeitalter nutzen.

Auch der an Dienstjahren älteste Ministerialrat im Hessischen Kultusministerium, Wolf Schwarz hob besonders die Qualität von Ganztagsschulen und als ein wichtiges und häufig unterschätztes Kriterium die Beziehungsarbeit hervor. Hessen habe in den vergangenen Jahren sehr viel für die Weiterentwicklung der Ganztagsschule getan und wird auch in den kommenden Jahren versuchen, indem man noch in diesem Jahr über 700 Stellen für Sozialpädagogen in der Grund- und Sekundarstufe schaffe. Schwarz nahm auch zum Vorsitzenden Seelmann-Eggebert Stellung, der zuvor ebenso wie der Bürgermeister der Gemeinde Brechen Frank Groos angemahnt hatte, dass bei den Personalzuweisungen im Ganztagsbereich noch Luft bestünde. Ministerialrat Schwarz betonte ausdrücklich, dass er wisse, dass z.B. an der Schule im Emsbachtal ein hervorragendes Ganztagsmodell ausgearbeitet worden sei und dieses auch nun schon im zweiten Jahr laufe. Er hoffe, dass der Kreis Limburg-Weilburg in den nächsten Jahren dafür Sorge tragen werde, dass dieses Modell auch die notwendigen Stellen bekomme, da das Ministerium bereits im vergangenen Jahr Stellen für die Schule bereitgestellt habe. Gemäß der Aussage des Kultusministers Prof Dr. Alexander Lorz, der mitgeteilt hatte, dass das Ministerium allen Schulen, die einen Antrag auf Erlangung der Profilstufe 3 gestellt hätten, diesen Antrag auch bewilligen wollte.

Guido Seelmann-Eggebert, 1. Vorsitzender des Hessischen Ganztagschulverbandes überraschte die einheimischen Teilnehmer der Tagung darunter auch Dr. Michael Jung vom Staatlichen Schulamt, als Vertreter des Amtsleiters des Leitenden Schulamtsdirektors Michael Scholz, Bürgermeister Groos und Schulleiter Bernd Steioff und sein Team mit den Ergebnissen seiner Forschungsarbeit, dass es in Niederbrechen bis zum Jahre 1942 eine offizielle Ganztagsschule in Niederbrechen gegeben habe, wahrscheinlich um den Einfluss der NSDAP auf die Jugendlichen in Niederbrechen zu minimieren. Nach dem 2. Weltkrieg sei man wie an anderen Schulen einfach zur Halbtagsschule übergegangen, obwohl die positiven Auswirkungen der Ganztagschule, wie man es auch heute wieder in Niederbrechen erleben könne, möglich seien.

Schulrat Dr. Michael Jung lobte das herausragende Engagement der Schule im Emsbachtal. Bei der Ausrichtung der Tagung freute er sich, dass hier Kinder durch Gesang, Musik, Theater und das persönliche Präsentieren, wie es die erst 12 jährige Angelina Müller bei der Moderation mit der Lehrerin Carina Merth unter Beweis stellte, Persönlichkeitsbildung betrieben werde, wie sie für die Entwicklung der Jugend zielführend sei.

Dank für die Ausrichtung und Unterstützung des Verbandes wurde der Schulleitung mit Schulsozialarbeiterin Madlen Wagner, Carina Merth, als aktive Verbandsmitarbeiterin und allen Kolleginnen und Kollegen der Schule durch eine besondere Anerkennung des 1. Vorsitzenden Seelmann-Eggebert zuteil, der besonders die musikalischen und künstlerischen Elemente der Tagung lobte und den vielen Workshopleitern aus nah und fern seine Anerkennung zollte. Schulleiter Bernd Steioff bedankte sich bei den mitwirkenden Schulen in Villmar, Mengerskirchen, Dauborn und Limburg und überreichte im Namen des Landesvorstands allen Tagungsteilnehmerinnen einen mit „Ganztags-Rezepten“, von bereits ganztägig arbeitenden Schulen, gefüllten USB-Stick.

Diese Ganztagskonzepte aus Gießen, Weiterstadt und Schulen der hiesigen Region, wie das „BreGaMo“=Brecher Ganztagsmodell seien zum Nachkochen ausdrücklich empfohlen, man müsse sie aber noch mit einer gehörigen Portion Herzblut würzen und auf die entsprechende Schulsituation anpassen, wie Steioff abschließend feststellte. Einziger Wermutstropfen war die kurzfristige Absage von Landrat Manfred Michel, der wegen der Übergabe des Bewilligungsbescheids für das KiP-II Programm nicht an der Tagung teilnehmen konnte.

Besonders gefreut hat sich die Schulleitung darüber, dass von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Hessen und den angrenzenden Bundesländern, bei denen die entferntesten sogar aus Hamburg angereist waren, die besonders höflichen und hilfsbereiten Schülerinnen und Schüler der Klasse 7b, die sich als Scouts zur Verfügung gestellt hatten und die Schülervertretung, die neben dem Förderverein für die Verköstigung mit Kaffee und Kuchen sorgten, gelobt wurden.

Der Tag, der so früh, für einige bereits um 4.30 Uhr begonnen hatte, endete nach Abschluss der Workshops und allen Aufräumarbeiten um 19.15 Uhr und war im wahrsten Sinne des Wortes eine Veranstaltung einer Ganztagsschule.

Fotos: Schulleitung der Schule im Emsbachtal

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