Betreuung der Streuobstwiesen

Tristan, Anna, Jessica und Dorentina sind gern bei der Apfelernte auf der Streuobstwiese.	Fotos: Hackert

Apfelbörse Tristan, Anna, Jessica und Dorentina sind gern bei der Apfelernte auf der Streuobstwiese. Fotos: Hackert

Rasch bückt sich Dorentina, hebt den Apfel auf, schaut ihn kurz an – dann landet er im Eimer, gemeinsam mit vielen anderen. „Wir haben keine Säcke mehr“, ruft ein Junge ein paar Meter entfernt. Kein Problem: Daniela Thiel und Carina Merth können helfen. Die beiden Lehrerinnen haben noch Nachschub da. Johannes Hoppe hat ihre beiden Schulklassen gut ausgerüstet.

550 Kilo an einem Tag

Gestern kümmerten sich rund 40 Kinder der 6 a und der 6 b in der Schule im Emsbachtal um die Streuobstwiese „Bleidenbach“. Zum zweiten Mal, denn am Montag waren die Schüler schon einmal da gewesen, hatten rund 550 Kilogramm Äpfel gesammelt. „Und gestern waren es noch mehr“, erzählt Daniela Thiel. Da waren sie auf der anderen gemeindeeigenen Streuobstwiese „Am Werschberg“. Das Pächter-Ehepaar Urban hatte sich über die Unterstützung gefreut – denn so eine Streuobstwiese macht viel Arbeit, und wenn die Ernte gut ist, dann natürlich noch mehr. „Es ist genug für alle da“, lacht Daniela Thiel bei der Frage, ob sich die Pächter nicht „ins eigene Fleisch schneiden“, wenn sie sich die Äpfel vom Baum holen lassen. Im Gegenteil: Sie haben die Kinder sogar noch mit Würstchen versorgt. Für sie ist es wichtig, dass die Kinder lernen, dass ein Glas Apfelschorle nicht einfach so „auf den Tisch kommt“, sondern welche Arbeit dahintersteckt. So geht es auch Johannes Hoppe, der die gleichnamige Kelterei in Brechen betreibt. Seine Tochter Maia ist eine der Schülerinnen, die jetzt beim Sammeln aktiv sind, und natürlich hat er die Initiative sofort unterstützt und begleitet. „Vor einigen Jahren gab es das schonmal, ist dann aber eingeschlafen“, weiß Carina Merth, die sich nun gemeinsam mit ihrer Kollegin vorgenommen hat, sogar noch etwas mehr zu tun: Jetzt lernen die Kinder viel über Äpfel, Schädlinge, die einzelnen Sorten. Anna (11), Dorentina (13), Jessica (13) und Tristan (11) haben gut aufgepasst. „Das ist ein Apfelpilz“, zeigt Tristan einen Apfel, der sehr braun geworden ist, und auf dem sich weiße Flöckchen gebildet haben. Der gehört nicht in den Sack. Am nächsten Tag, wenn sie die Kelterei Hoppe besuchen, werden sie sehen, was aus ihren Äpfeln wird. Und sie können sich natürlich gut vorstellen, wie sich die Qualität des guten Saftes verändern würde, wenn faules Obst darunter gerät. Die Aktionstage jetzt auf der Streubostwiese sind wichtig. „Ich finde es ganz toll, dass wir hier draußen sind, nicht immer nur in der Schulbank sitzen“, sagt Jessica. Ihre Freundin Dorentina ergänzt: „Wir haben zu Hause auch Apfelbäume.“ Natürlich werden die Kinder jetzt auch dort bewusster mit den Nahrungsmitteln umgehen, die „vor der Nase hängen“. Und: „Es ist schön, dass wir auch die anderen Schüler der Parallelklasse besser kennenlernen.“ Anna schüttet gerade einen Eimer Äpfel in den Sack und ergänzt: „Wir sammeln erst alles vom Boden, dann wir geschüttelt. Was nicht runterfällt ist noch nicht reif, diese Äpfel bleiben erst einmal hängen.“ Tristan geht sehr vorsichtig mit den Äpfeln um. Kleine Verformungen sind kein Problem, Fäule schon. Hier passt er gut auf. Und Johannes Hoppe, der viel Literatur zusammengetragen hat, um noch ein paar weitere Infos beizusteuern, hat noch eine kleine Geschichte zum Schmunzeln parat: In einem der Hefte, die die Schüler durchblättern können, wird beschrieben, wie im Jahr 1936 Obstpflege betrieben wurde: Die damaligen Schüler mussten raus auf die Obstwiese und Borkenkäfer einsammeln. Das ist jetzt zum Glück nicht nötig. Aber die Kinder wissen auch, dass ihr Obst, das sie jetzt ernten, ungespritzt ist und dadurch viel gesünder. Das führt allerdings auch zu recht schnellem Verfall – deshalb ist es für die Gemeinde schön, dass so viele Helfer jetzt in der Erntezeit mit anpacken. „Schulleiter Bernd Steioff hat das Ganze von Anfang an unterstützt, nur so kann es funktionieren“, sagt Johannes Hoppe. Obstbaumschnitt Für die Kinder bleibt das übrigens keine einmalige Aktion: Johannes Hoppe und die Lehrerinnen planen mehr. So soll die Pomologin Martina Adams aus Weilburg noch einiges über die Apfelsorten erzählen. Und beim Obstbaum-Schnitt im Frühjahr sollen die Kinder wieder auf der Wiese sein und mit anpacken. Das ist anspruchsvoll, und sie werden lernen, wie man einen Obstbaum richtig beschneidet. Die gute Apfelschorle – ein Resultat der Arbeit – genießen die Schüler im Emsbachtal übrigens später am eigenen Schulkiosk. Mit den Pflückaktionen füllen sie ein Punktekonto in der Kelterei auf, und diese Arbeit wird dann in Apfelsaft und -schorle umgesetzt. (10.10.2013, Petra Hackert)